PDG 2026
- Sandro Stäheli

- 27. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Teamgeist und der Mythos lebt weiter

60.9 km
4182 hm
9:19 Stunden
Team: Philipp Bärtsch, Flurin Glunk, Sandro Stäheli
60.9 km und 4182 Höhenmeter: Der härteste Skitourenwettkampf der Welt.
Zum vierten Mal durfte ich die legendäre Strecke der Patrouille des Glaciers von Zermatt nach Verbier in Angriff nehmen, zusammen mit Philipp Bärtsch und Flurin Glunk. Mit einer Laufzeit von 9h19 sind wir unglaublich zufrieden und vor allem stolz, dieses Abenteuer gemeinsam als Team gemeistert zu haben.
Für mich persönlich war diese PDG auch wieder eine äusserst wertvolle persönliche Erfahrung als Sportmentaltrainer.
Das, was ich im Alltag vermittle, selbst zu erleben, ist unbezahlbar:
Die Nervosität vor dem Start, die es zu steuern gilt, um den eigenen Erwartungen und denjenigen der Teamkollegen gerecht zu werden und trotz Anspannung noch etwas Schlaf zu erlangen.
Die Gedanken während des Rennens, wenn Müdigkeit und Zweifel auftauchen.
Und die Schmerzen, die über Stunden zum ständigen Begleiter werden.
Gleichzeitig hautnah mitzuerleben, auf welchem Niveau sich die absolute Weltspitze sowohl bei den Frauen wie auch den Männern bewegt, ist jedes Mal aufs Neue beeindruckend.

Die PDG als Spiegel meiner Selbständigkeit
Die PDG ist für mich auch sinnbildlich für meine berufliche Tätigkeit:
Vieles lässt sich strategisch planen und präzise vorbereiten. Doch im entscheidenden Moment braucht es Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und vor allem den Willen und die Fähigkeit, durchzuhalten, wenn es weh tut.
Was mir dabei immer wieder hilft:
Bewusst kleine mentale Pausen einzubauen. Den Blick auf die vielen kleinen, positiven Momente richten – die Landschaft, die Unterstützung, das Teamgefühl. Diese Momente laden die mentalen Batterien wieder auf, ermöglichen es, weiterzugehen und trotz Schmerz noch härter zu pushen.
Der Mythos PDG
Die Patrouille des Glaciers ist weit mehr als ein Wettkampf. Sie repräsentiert die Schweiz und ihre Werte auf eindrückliche Weise. Organisiert durch die Armee und unterstützt von internationalen Kräften.

In dieser extremen Umgebung, auf dieser Höhe und in diesem Gelände eine solche Organisation sicherzustellen, ist aussergewöhnlich. Organisatorisch und logistisch mindestens so herausragend, wie die sportlichen Leistungen der Läufer:innen.
Noch beeindruckender ist jedoch die Leidenschaft aller Beteiligten. Sie tragen einen förmlich über die Strecke. Sie feiern die Athlet:innen, die PDG und sich selbst – stundenlang, bei Kälte, Wind und in eisiger Höhe. Ausserhalb ihrer Zelte, Iglus und Schneehütten, in denen Sie als Gebirgsspezialisten während den Vorbereitungen schon seit Tagen übernachteten.
Schon bei der Materialkontrolle beginnt das spezielle Gefühl. Beim Briefing sorgen Persönlichkeiten wie Benedikt Roos, Chef der Armee, Bundesrat Martin Pfister und der Pfarrer von Zermatt für die letzte Motivation.
Und wenn Brigadier Yves Charrière, Kommandant PDG, verkündet: „Die PDG findet statt – vive la PDG!“ gefolgt von der Nationalhymne, wird es erstmals richtig real. Gänsehaut.

Emotionen entlang der Strecke
Der Start in Zermatt, mitten in der Nacht, hinein in die Dunkelheit und in eine gewaltige Strecke, ist unbeschreiblich.
Auf der Tête Blanche (3650 M.ü.M.) spürt man die Dimension dieses Rennens.
In Arolla gibt einem die Gewissheit, die Hälfte geschafft zu haben neue Energie. Das auch dank der Unterstützung der Angehörigen.
Und dann das Couloir der Rosablanche: Zuschauer:innen, die einen förmlich nach oben schreien und ziehen. Emotionen, die überwältigen. Oben angekommen, dieser Moment des Wissens: Wir werden es schaffen. Tränen.
Was bleibt
Zu dritt als Team zu starten, durch die Nacht zu pushen und gemeinsam ins Ziel in Verbier zu laufen – das ist mehr als ein Rennen.

Es ist eine Erfahrung, die verbindet.
Eine Erinnerung, die bleibt.
Und für mich ganz persönlich ein Stück Familiengeschichte.
Vive la PDG.

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